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400 JAHRE UND JETZT

Freitag, März 28th, 2008

Über Ostern residierte ich mal wieder in München. Darunter mindestens zwei Highlights: der soda-Buchladen im Glockenbachviertel glänzt mit einer beachtlichen Auswahl an diversen (vor allem Grafik-)Designbüchern, die eine ganze Bandbreite abdecken. Ich musste prompt meinen Wunschzettel um ca. zehn weitere Bücher aufstocken. Erwähnenswert: die Bücher und die Magazine begrüßen den Leser durchweg mit ihren Covern. So macht es weitaus mehr Spaß zu stöbern als sich mühsam mit dem Kopf in Schräglage an den Buchrücken entlang zu angeln.

Zudem musste ich natürlich wieder ins Kunstareal. Die Alte Pinakothek war dieses Mal dran. Jedesmal entdecke ich etwas Neues: in einem Gemälde beispielsweise waren derart stilisierte, abstrahierte Pflanzenformen zu sehen, die mich wahnsinnig stark an diese floralen Vektorzeitgeistgrafiken erinnerten, die momentan und immer noch bis zum Erbrechen wiedergekaut werden. Enorm – über 400 Jahre liegen dazwischen. Die Darstellungsweise ist dieselbe.

Eigentlich sollte ich mal hier einen Aufruf starten, was für Euch im Grafikdesign ähnlich ausgelutscht ist. Da fällt mir nämlich aus dem Stand noch einiges mehr ein, als nur diese floralen, ornamentalen Vektorgeschichten: Sprechblasen, Sterne; Kreise/Punkte mit “Nasen” wie beim Graffiti; alles in Versalien, alles in Minuskeln; geschnippelte Basteltypo; Spiegeleffekte aka Apple/Mac, “3D super glossy logos”; rein ornamentale mash-ups bzw Collagen; Einsatz wahnsinnig “hipper” Freefonts (siehe top 100, dafont.com), etc etc etc.

Peter Paul Rubens und Dürer waren bisher meine heimlichen Lieblinge in der Alten Pinakothek. Anthonis van Dyck darf sich wohl ab nun auch zu diesem erlauchten Kreis zählen (unten sein Selbstportrait). Er ist ein flämischer Meisterschüler von Peter Paul Rubens gewesen, der es verstand, dem Betrachter einen lebendigen, eindringlichen Eindruck der abgebildeten Menschen zu vermitteln. Um es mal poetisch zu umschreiben: van Dycks Malstil ist für mich ein großartiger Dosenöffner, um Zugang zu Seele und Natur der dargestellten Personen zu erhalten.

Rubens’ “Höllensturz der Verdammten” brauchte sich aber auch nicht zu verstecken und gab mir nebenbei auch noch gehörig einen mit: Es ist bemerkenswert, dass wir Menschen soviel mehr wissen und (vor allem technisch) beherrschen als noch um 1620, als dieses Bild entstand.

Gut 400 Jahre später sind wir in der Lage uns als Normalo in den hintersten Winkel der Erde fliegen zu lassen und in einer digital so eng zusammengerückten Welt mehr oder weniger sinnvolle Einträge in blogs zu posten, die jeder Orang-Utan mit Internetzugang lesen kann (sofern er obendrein auch noch deutsch kann). Zudem lassen sich Angestellte im Lebensmitteldiscounter per minispycam von der Decke herab wunderbar ausspionieren. Welch Fortschritt!

Wirft man aber nun einen genaueren Blick auf Rubens’ Gemälde mit sämtlichen Kreaturen der Unterwelt, so fällt wiederum ziemlich schnell auf, wie zurückgeblieben wir eigentlich sind. Die Evolution muss wohl irgendwie unsere Phantasie übergangen haben. Da hat sich in den letzten 400 Jahren nicht wirklich viel getan. Beäugt man die finsteren Gestalten der Filmgeschichte in früheren, aber v.a. heutigen Psycho-/ Horror-/ SciFi-/ Fantasystreifen, so fällt ziemlich schnell auf, dass sie sich äußerlich kaum bis gar nicht verändert haben seit Rubens’ “Höllensturz”. Dabei ist doch unsere Vorstellungskraft das Unzähmbarste überhaupt?

In diesem Sinne meine Empfehlung, sofern Ihr demnächst durch die Alte Pinakothek flanieren solltet: van Dycks und Rubens’ Werke nicht nur anschauen, sondern betrachten. Lasst Euch von der lebhaften Mimik und Gestik in van Dycks Bildern einnehmen und zieht Euch mit Rubens’ “Höllensturz der Verdammten” den wohl besten statischen Horrorfilm aller Zeiten rein!

IMMER WIEDER GERN
PEACE FOR MY SOUL

Donnerstag, Januar 3rd, 2008

Wow, die 8 hat die 7 abgelöst. Schon wieder ein Jahr vorbei. Ich werde erst gar nicht großartig anfangen hier meine persönlichen Tops und Flops aufzuzählen, wer mich kennt, kennt auch diese. Solche “Hitlisten” überlasse ich lieber den Gazetten wie Bild, die es tatsächlich geschafft hat, sogar eine Mamillen-Top 10 weiblicher Stars aufzustellen. Quo vadis, Niveau?

Da mein Silvester äußerst unspektakulär verlief, was auch so absolut gut war, da ich ja momentan auf das viertel Jahrhundert zusteuere und somit eh kein Partyboy mehr bin, noch 1,2 Worte zu den Festtagen. Die konnte ich zum Einen bei meiner Mum in Alfaz del Pi verbringen, zum anderen bei meinem Dad in der bajuwarischen Hauptzentrale. Das Wetter zeigte sich im Süden gar nicht so südlich – bis auf 1.5 Tage war es bewölkt, so konnte ich an meinem Diplom in Ruhe weiterschnitzen und mein Gewissen hatte keinen Grund zur Beschwerde.

In München gab es dann noch ein Stück deutsche Weihnacht und, als wenn ich nicht schon genug Mast hinter mir hatte, auch noch mehr Plätzchen. Einen Abstecher in mein 2tes Wohnzimmer gab es dann auch. Die Pinakothek der Moderne zeigte Werke Max Beckmanns aus seiner Zeit im Amsterdamer Exil. Sein Art zu malen packt mich immer wieder. Grandios! Oh und falls mein ehemaliger Kunstlehrer, Mr Heller, das hier lesen sollte: danke für Beckmann und Sie sind Schuld, dass ich Design studiere! Euch alles Liebe und Gute für dieses Jahr!

Zapp zerapp. Let’s start off in this wonderful new year with some nonsense words. It’s almost as stupid as these lists that we are confronted with during these days. “The 10 fattest hamsters of US Veterans 2007″, “The 10 most embarassing moments of Paris Hilton’s mother’s ex kindergarten boyfriend 2007″ or “The 10 ugliest cars fixed by orang-utans in South America 2007″

Compared to these stories my personal 2007 seemed to be as exciting as a freeze image of a glas mayonnaise. However it was a nice year with a nice ending. I spent my days at my mom’s apartment in Alfaz del Pi. I really enjoyed my days over there, despite the grey sky and the few drops rain. Well, at least they made me keep up the work for my diploma.

Afterwards I flew back to Munich and visited my dad. There was still plenty to eat. I did not hesitate to make sure, that after Christmas all food in my dad’s house was gone. Anyways, if you should be around in Munich by the end of this month, be sure to see the Max Beckmann exhibition! I wish you all the best, enjoy 08!